Kategorie: Chronik

Die Geschichte der Mühlberger Gilde 1

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Die Mühlberger Schützen-Gilde entstand, so wie viele andere Schützen-Gilden auch, im Mittelalter, um das Eigentum der Bürger der Stadt vor Raubgesindel und umherziehenden plündernden Horden zu schützen. 1354 war Mühlberg unter der Herrschaft von Gebhard von Querfurt. Dieser versuchte die Ländereien des Mühlberger Klosters in seinen Besitz zu bringen, worauf die Förderer des Klosters, die Herren Otto und Bode zu Ileburg, Herren zu Eilenburg, Bode von Torgau, Herr zu Torgau, sowie Bode von Ileburg, Herr von Bad Liebenwerda zum Schutz des Klosters eine Armee von 210 Mann gegen Mühlberg in Marsch setzten.Gebhard von Querfurt rief nun seinerseits die Mühlberger Bürger zu den Waffen, die Mühlberger Bürgerwehr entstand. Diese Bürgerwehr war der Beginn der Geschichte der Mühlberger Schützen-Gilde.

Über die Jahrhunderte entwickelte sich die Schützengilde zu einem sehr starken Verein in der Stadt Mühlberg, was auch im Interesse des Landesherren lag. So hatte er im Notfall an Waffen ausgebildete Mannen, welche Land und Leute beschützen konnten. Zur Unterstützung der Schützen (Schützer der Städte und des Landes) gab es auch entsprechende Anweisungen der Landesherren an die Städte. So zum Beispiel ordnete Kurfürst Friedrich der Sanftmütige 1445 an, dass alle Städte “Geschosse, Pulver, Büchsen, Steine (Steinkugeln), Armbrüste, Pfeile, Pech, Ringpanzer und an allen anderen Wehren” beschaffen sollten.

Die Jahre vergingen und die Mühlberger Schützengilde war so stark und reich, dass sie sich einen eigenen Altar im Jahre 1482, den Sebastian-Altar, in der Klosterkirche errichten lassen konnte.

Die Meißner Chronik weis aus dem Jahre 1498 zu berichten, dass die Mühlberger Bürger, nachdem sie die landesherrliche Genehmigung eingeholt hatten, einen Ausmarsch nach dem Haagk durchführten, um dort Schießübungen mit dem Bogen und der Armbrust zu veranstalten. Dieser Ausmarsch war das erste Mühlberger Schützenfest und wurde nun jährlich durchgeführt.

Da im Mühlberger Stadtarchiv sehr große Lücken sind, ist es leider nicht möglich viele dieser Ereignisse nachzuvollziehen. Die noch erhaltenen Unterlagen wurden in der Chronik der Stadt Mühlberg, geschrieben im Jahre 1925, ausgewertet. So wird berichtet, dass im Jahre 1506 dem Förster aus der Stadtkasse 7 Groschen Stammgeld für einen Eichenstamm ausgereicht wurden, aus dem eine neue Vogelstange für die Schützen errichtet wurde. Im Jahre 1514 wurde, wie die Kämmereirechnung ausweist, eine neue Vogelstange errichtet, die für die Übungen der Armbrustschützen bestimmt war. Die Gilde zahlte dafür 20 Groschen an die Kämmereikasse, erhielt aber 20 Groschen als Ehrengeschenk für den Schützenkönig, dem dafür Stoff zu einer Hose geliefert wurde.

Im Ratsbuch des Jahres 1558 steht folgender Eintrag. Einnahmen des Rats:” 9 Groschen die Vogelschützen von Schießen und Spielbuden, haben selbst ein lundrisch Tuch gekauft und das Spiel selbst bestellen lassen, weil sie sich Geld zu geben beschweren.” Hier lässt sich herauslesen, dass es zu Unstimmigkeiten zwischen Gilde und Rat gekommen ist, weil die Gilde das Schützenfest selber ausrichtete und Spielbuden zugelassen hat. Die Zulassung der Buden beweist, dass das Schützenfest zu einem Volksfest in Mühlberg wurde.

Die Chronik der Stadt Mühlberg erwähnt die Schützengilde zum ersten Male im Jahre 1563. In diesem Jahr wird bei der Gilde “das Schießen mit der Büchse nach dem Schirm” eingeführt, welches am Sonntag nach Peter-Paul (4.Juli) begann und sieben Sonntage hindurch dauerte. An jedem Sonntag erhielt die Gilde 6 Groschen als Prämie zur Verteilung an die besten Schützen aus der Kämmereikasse ausgezahlt.

Im Jahre 1590 wurde der Schützengilde eine große Ehre zuteil. Damit sich die Büchsen- und Armbrustschützen besser im Schießen üben sollten, wies am 14. August 1590 Kurfürst Christian I. von Sachsen den Schösser der Stadt Mühlberg an, diesen Schützen eine jährliche Beisteuer, das Vorteilsgeld aus dem Amte zu geben. Dieses kurfürstliche Privileg war allerdings an eine Auflage gebunden, das Geld solle zu einem Teil zum Beschaffen von Munition und zum anderem zum Vorteilsgeld für den Schützenkönig genutzt werden. Desweiteren war festgelegt, dass das Geld nur in den Jahren ausgereicht werde in dem ein Schützenfest gefeiert wird.

Aus dem Jahre 1619 wird berichtet, dass sich die Gilde eine neue Ordnung gab. Die Gilde muss damals bereits ziemlich stark und wohlhabend gewesen sein, da sie es wagen durfte, ein eigenes Schützenhaus zu bauen.

Seit dem Jahre 1635 weisen die Ratsbücher aus, dass das Vorteilsgeld, die vom Amte zu zahlende Unterstützung, nicht mehr erhoben wurde. Im Jahre vorher war wohl das letzte Schützenfest abgehalten worden. Es war die Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Sie war auch für Mühlberg verhängnisvoll, das vorher blühende Leben in den Städten wurde fast vernichtet. Die Gilden, Innungen und Vereine konnten sich kaum am Leben erhalten. Auch die Mühlberger Schützengilde verschwand in dieser Zeit. Dies ist um so verständlicher, als die Städte zur Verteidigung des Landes “Defensioner” stellen mussten, welche sich an bestimmten Orten zu sammeln hatten und oft jahrelang nicht wieder in die Heimat kamen. Sie waren als waffenfähige Männer zum größten Teil Mitglieder der Schützengilde.

Die Geschichte der Mühlberger Gilde 2

Die Übungen der Schützengilde hatten jahrzehntelang geruht. Erst im Jahre 1708 hören wir wieder von der Tätigkeit der Mühlberger Schützengilde. Am 28.Mai 1708 bat die Schützengesellschaft zu Mühlberg, den damaligen Landesherren König von Polen und Kurfürst von Sachsen Friedrich August den III., um die Wiedergewährung der Unterstützung. (Kopien der Schreiben an den Landesherren sind im Besitz der Gilde) Die Unterstützung bestand aus: 2 Gulden 10 Groschen 6 Pfennigen aus dem Amte Mühlberg für den Schützenkönig nebst den Schützen, sowie 2 Schock Groschen zum Gewinnst und 1 Taler 12 Groschen für abgeschriebene Geschosse. Die Gilde wandte sich in den Jahren 1716, 1718 und 1720 abermals an den Kurfürsten. Am 24. Mai 1720 erhielt die Schützengesellschaft zu Mühlberg endlich die Zusage, dass sie “das Benefiz von 2 Schock Groschen und 1 Taler 12 Groschen an abzuschreibenden Geschossen” wiedererhalten solle.

Nachzulesen ist dieser letzte Absatz in : Accta ” Die Schützengesellschaften verschiedener Städte und die denselben bewilligten Ergötzlichkeiten vom Jahre 1708 bis 1735. Die Accta befindet sich im Sächsischen Hauptstaatsarchiv zu Dresden unter dem Eintrag: “Geheimer Rat, Loc. 10528”.

fah-augustkleinDas Jahr 1755 brachte der Gilde eine weitere hohe Ehre. Kurfürst Friedrich August der III. von Sachsen und König von Polen, verlieh aus der Königlich Sächsischen Arsenalsammlung (Zeughaus) in Dresden eine rotseidene, gelbverzierte mit seinem Namenszug versehene Fahne und begnadete die Gilde mit einem steuerfreien Bier. Die geschenkte Fahne war eine sächsich-polnische Militärfahne und wurde im Jahre 1748 von dem Regiment “von Jasmund” in das Zeughaus von Dresden eingeliefert.

Das alte Schützenhaus war im Laufe der Jahre baufällig und wohl auch zu klein geworden. Es stellte sich daher die Notwendigkeit heraus, ein neues Haus zu bauen. Im Jahre 1764 war die Gilde über 100 Mann stark und es wurde zum Neubau geschritten. Die hiesigen Zimmerleute lieferten alle Zimmerarbeiten unentgeltlich, beanspruchten dafür das Recht, dass am jährlichen Schützenauszug 3 Zimmerleute teilnehmen, mit ihren Äxten dem Zuge vorausmarschieren und am Freibier beteiligt sein sollten, ohne dass sie dafür eine Beisteuer zu entrichten hätten.

Da der Mitgliederbestand der Gilde ständig größer wurde, ergab sich die Notwendigkeit eine neue Kompanie zu gründen. Im Jahr 1774 wurde deshalb die Grenadierkompanie gegründet. Ihre Mannschaften trugen schwarze Mützen aus Wachsleinwand, die mit einem Messingschild versehen waren, das ein “M”, welches Mühlberg bedeuten sollte, darstellte. Die vorgeschriebene Uniform bestand aus schwarzen Hosen, weißen Strümpfen und Schnallenschuhen.

Im Jahre 1793 wurde die bisherige Uniform der Grenadierkompanie geändert. Sie bestand jetzt aus einheitlichen dunkelblauen Militärröcken nach dem Schnitt der sächsischen Waffenröcke mit weißem Futter und weißen Metallknöpfen. Hiernach zu urteilen, ist die Grenadierkompanie als die älteste militär-unformierte Kompanie des Mühlberger Schützenbataillons anzusehen.

Im Jahre 1821 erteilte der neue Landesvater König Friedrich Wilhelm der III., Mühlberg gehörte jetzt zu Preußen, das Privileg, die der Gilde im Jahre 1755 verliehene sächsische Fahne weiter zu führen.

Da das Schützenhaus im Laufe der Jahre baufällig gewoschtzenhaus1824kleinrden war, sah man sich gezwungen ein neues Haus zu bauen, welches am 27. Dezember 1824 eingeweiht wurde. Die Baukosten betrugen 2311 Taler 3 Groschen und 5 Pfennige.

Dieses Bild hängt im Mühlberger Stadtmuseum.

Das Schützenhaus befand sich an der Stelle hinter dem jetzigen Getränkeland am Penny.

Die Geschichte der Mühlberger Gilde 3

Seit dem Jahre 1826 hatte der Chef der Gilde den Dienstgrad eines “Kapitän” (Hauptmann). Dies geht aus einem Protokollbuch hervor. Nach dem Protokollbuch war der erste Chef mit diesem Rang Kapitän Trebsdorf.

Aus dem Jahr 1830 wird folgendes über die Schützengilde berichtet: Da die Schützengilde der stärkste und aller Wahrscheinlichkeit nach älteste Verein der Stadt war, dem die angesehenen Bürger angehörten, so war es selbstverständlich, dass er an allen großen Festen teilnahm. Er konnte sich daher auch nicht von der am 20. Juni 1830 stattfindenden 3. Säkulärfeier der Übergabe des Augsburger Bekenntnisses ausschließen. Im Protokollbuch  der Gilde steht über diese Feier: …Nach beendigter Predigt wurde mit Trompeten und Pauken “Herr Gott, dich loben wir” gesungen, wobei die Schützengilde, sich auf dem Kirchhof aufgestellt hatte, während des Gesanges 3 Salven gegeben hat. Die Schützengilde zog dann in aller Stille bis vor Herr Hauptmann Sommer Haus und trat ab. In demselben Jahr berichtet die Chronik über ein Hochwasser. “Auch sogar unser Schützenhaus stand förmlich in Wasser und Eis, wo auch keine Hilfe und Rettung zu schaffen war. Die Höhe des Wassers stand in dem Schützenhausflur oder Paterre noch über zwei Dresdener Ellen. Die Höhe des Wassers hat über 4 Tage gestanden.”

Das Jahre 1836 brachte der Gilde wieder eine große Ehrung. Sie hatte sich an König Friedrich Wilhelm den III., mit der Bitte gewendet, ihr eine Fahne zu verleihen. Dieses Gesuch wurde erhört und am 27.Januar wurde die neue, blauseidene mit dem Mühlberger Stadtwappen versehen Fahne feierlich eingeweiht.

Die Zahl der Mitglieder wuchs von Jahr zu Jahr. Am 8.April 1844 richteten deshalb mehrere Bürger an die Deputation (Ausschuss) der Schützengilde ein Gesuch, eine Jägerkompanie zu bilden. Da sich zu dieser sofort 20 mann meldeten, kam die Gründung zustande. Die Ganze Schützengilde organisierte sich jetzt militärisch, indem 3 Kompanien aufgestellt wurden. Alle 3 Kompanien legten sich von jetzt ab Uniformen nach dem Schnitt der preußischen Militär-Waffenröcke zu. Grenadiere und Schützen mit blauen Waffenröcken, Helm mit Federstutz; die Jäger mit grüne Waffenröcken und als Kopfbedeckung ein Käppi.

Die Neuordnung der Schützengilde: Sie besteht aus 1 Bataillon mit 3 Kompanien: 1. Kompanie= Grenadiere; 2. Kompanie= Schützen; 3. Kompanie=Jäger.

Im April des Jahres 1854 wurde für den Chef der Gilde der Rang eines “Major” eingeführt. Als erster wurde Kapitän Lange zum Major ernannt.

bller57Im Jahre 1857 wurde ein Böller aus dem Eisenwerk Gröditz angekauft, welcher zum Königsschießen benutzt werden sollte. Er trug die Inschrift “Schützengilde Mühlberg 1857”. Beim alljährlichen Auszug wurde der neue Schützenkönig durch 3 Böllerschüsse geehrt.

Der Böller befindet sich im Museum der Stadt Mühlberg. Er hat ein Kaliber von 50 mm.

Die Jägerkompanie  war die einzige Kompanie in der Mühlberger Schützengilde, welche keine Fahne besaß. Um diesen Übelstand abzuhelfen, wandte sie sich im Jahre 1871 mit der Bitte an den Magistrat der Stadt Mühlberg, ihr die Bürgerfahne von 1848 zu verleihen, was auch geschah.

Im Jahre  1873 wurde das Königshonorar von 18 Taler auf 25 Taler erhöht. Hierzu muss noch bemerkt werden, dass der Mühlberger Schützenkönig keinen Königsorden von der Gilde erhielt. Den Königsorden musste der jeweilige Schützenkönig selbst anfertigen lassen, dieser ging dann im nächsten Jahr in den Besitz der Gilde über. Das Königshonorar sollte zum Teil für die Anfertigung des Ordens dienen. Im laufe der Jahre hatte sich da ein “Silberschatz” angehäuft, der bei den Schützenfesten ausgestellt wurde. Die wenigen noch erhaltenen Königsorden werden im Mühlberger Museum aufbewahrt und ausgestellt.

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Die Geschichte der Mühlberger Gilde 4

Am 18. Mai 1880 brach früh morgens um halb drei Uhr im Schützenhaus ein Feuer aus, über dessen Entstehung nichts ermittelt werden konnte. Das Schützenhaus brannte vollständig nieder. Leider wurden durch das Feuer auch eine Anzahl von Schützenscheiben vernichtet. Bereits am 21. Dezember desselben Jahres konnte das neue Schützenhaus eingeweiht werden. Es fand ein Ball statt. Die öffentliche Einweihung, zu der die Gilde aus Riesa, Belgern, Strehla und Dahlen eingeladen wurden, war mit dem Schützenauszug des folgendes Jahres verbunden. Leider wurde die Festfreude durch andauernden Regen etwas gestört.sh1880klein

Leider gibt es von diesem Schützenhaus kein Foto aus seiner besten Zeit. Das Schützenhaus hatte eine Länge von 36 Meter und eine Breite von 16 Meter. In ihm waren ein Saal mit Bühne, zwei Gastzimmer sowie 2 Gesellschaftszimmer. Es hatte noch einen Anbau auf seiner Rückseite.

Der Rang eines “Oberstleutnant” wurde im Jahre 1888 das erste Mal verliehen. Der Schützenmajor Krebs wurde in Anerkennung seiner langjährigen Dienste damit ausgezeichnet. Beim alljährlichen Auszug wurde der neue Schützenkönig durch 3 Böllerschüsse geehrt. Im Jahre 1890 ging bei dieser Gelegenheit ein Schuss vorzeitig los und verletzte den Grenadier Radig so schwer, dass ihm die rechte Hand abgenommen werden musste. Seit dieser Zeit unterblieb das Böllern.

Am 20. August 1893 feierte die Grenadierkompanie das 100-jährige Bestehen ihrer militärischen Umformierung durch Kirchenparade, Kommers, Auszug und Prämienschießen. Vor dem Zuge marschierte ein Zug Grenadiere, die mit der Uniform, wie sie vor 100 Jahren getragen wurde gekleidet waren. Zur Erinnerung hieran malte der Lehrer und Kantor Kästner eine Festscheibe, die im mittleren Felde Schützenbilder zeigt, links auf Postament stehend ein Fahnenträger in der Uniform der Grenadiere von 1793, rechts desgleichen in der Uniform der Grenadiere von 1893.

Die Inschrift lautet:

“Aus anlaß der vor hundert Jahren erfolgten Organisation der Grenadierkompanie wurden auf dies von der diesjährigen Grenadierkompanie gestifteten Jubelscheibe am 20. August 1893 von jeden Schützen zwei Schüsse abgegeben.”

Die häufigen Festlichkeiten und die Trauerfälle ließen den Wunsch laut werden, innerhalb der Gilde einen Gesangverein zu bilden. Der Stadtmusikdirektor Bunge erklärte sich bereit, einen solchen zu leiten. Es fanden sich auch genügend sangeskundige und sangesfreudige Mitglieder, welche an den Übungen teilnehmen wollten. Der Verein hatte die Aufgabe, bei Todesfällen von Mitgliedern vor dem Trauerhause und am Grabe zu singen, bei Geburtstagen, den Beförderten ein Ständchen zu bringen und die Festlichkeiten durch Gesänge zu verschönern. Im Jahre 1899 bekam die Gilde einen neuen Chef. Sie wurde seit dem Tod des letzten Chefs im April 1897, vom Schützenhauptmann Karl Klaus vertretungsweise geführt. Zum neuen Chef wurde der Jägerleutnant und Gutsbesitzer Gottfried Friedrich Hentschel gewählt.

Mit der Jahrhundertwende änderte sich Einiges in der Schützengilde. Jedenfalls wurde ab jetzt ein ordentliches Protokollbuch für die gesamte Gilde geführt, so dass das Geschehen in der Gilde besser nachvollzogen werden kann.

Auszug aus dem Protokollbuch:

Mühlberg, den 11.Juni 1900
“Zur Erinnerung und Andenken wird hiermit bemerkt, dass zu dem diesjährigen Pfingst- Auszug den 8., 9. u. 10. Juni der Bürger und Hausbesitzer  Herr Stadtmusikdirektor   Wilhelm Bunge   Kapellmeister der Schützengilde, den Königsschuss erzielt hat. Herr Bunge ist im Schützenhaus Saal zum König proklamiert und von der löblichen Schützengilde am 10. Juni mit allen Ehren und Parade, sowie in größter Ordnung nach seiner Wohnung gebracht.”

Ab dem Jahre 1900 wurde mit dem oberen oder ähnlichen Text der jeweilige Schützenkönig im Protokollbuch verewigt.

Die Geschichte der Mühlberger Gilde 5

Am 27.Mai 1904:

Das Offizierskorps der Schützengilde hatte sich besprochen zu den diesjährigen Auszug zum Schützenfest den Chef Herrn Major Hentzschel den Titel und Rang eines Oberstleutnant anzutragen. Aus diesem Anlass marschierte am 1. Auszugstag früh bei der Fahnenwache das ganze Bataillon vor dem Ratskeller auf. In Anwesenheit des Herrn Bürgermeister Hauffe übernahm Jägerhauptmann Klaus eine angefertigte Ehrenurkunde und überreichte dieselbe den Herrn Oberstleutnant Hentschel. Anschließend überreichte Herr Adjutant Elschner die Insignien eines Oberstleutnants, die dieser überrascht und gerührt in Empfang nahm. Bei dem folgenden Frühstück im Rathaussaal, wurde die Gilde durch ein Quartett unter Mitwirkung des Königlichen Kammermusikers Herrn Carl Blochwitz, Herrn Max Uhlmann, Herrn August Pree und Herrn Richard Lehmann unterhalten.

“Am 29. Mai 1904 hat der Kaufmann Herr Max Kögler, Mitglied der Schützenkompanie, den Königsschuss erzielt. Herr Kögler ist im Schützenhaussaal zum König proklamiert und von der löblichen Schützengilde mit allen Ehren und einer Parade sowie in größter Ordnung nach seiner Wohnung im Schützenhaus gebracht worden.”

Für die anstehende Jubelfeier der roten Grenadier-Fahne im nächsten Jahr wurden folgende Herren beauftragt: Leutnat Goldschmidt, Leutnant Diecke, Adjutant Elschner, Fähnrich Müller und Rechnugsführer Maasdorf. Herr Leutnant Goldschmidt beantragt, dass der Jägerkompanie ein Tambour in Jägeruniform zugeteilt wird.

1905
Am Samstag den 20. bis Montag den 21. fand die 150 jährige Jubelfeier zu Ehren der Fahne der Grenadierkompanie in größter Festlichkeit statt. Es war eine außerordentlich eindrucksvolle Feier. Sämtliche Vereine der Stadt und viele Gilden waren erschienen. Leider war das Wetter so ungünstig, dass der Festumzug nicht so recht zur Geltung kam. Die fahne1755kleinSchützen stifteten einen Pokal. Auf dem Bild die 1755 von Kurfürst Friedrich August von Sachsen und König von Polen verliehene Fahne. Das Bild zeigt den jetzigen Zustand der Fahne. Sie wurde fotografiert nach ihrer Rückgabe aus den Kriegsbeutebeständen der Roten Armee und eingelagert bis zur Rekonstruktion, welche aus finanziellen Gründen wohl nicht geschehen wird.

Die Fahne wird im Armeemuseum Dresden aufbewahrt.

Am 22. Mai 1905 hat der Oekonom Herr Franz Dietrich jr. Mitglied der Schützenkompanie den Königsschuss erzielt… Derselbe gab der ganzen Gilde im Ratskeller ein Frühstück. Er erhielt den Beinamen “Franz der Pünktliche”. Die Mühlberger Gilde hatte die Eigenheit ihre Schützenkönige mit einem Beinamen (Spitznamen) zu “ehren”, eine Eigenart in der Stadt Mühlberg die Leute mit Spitznamen zu belegen. Dieses Eigenart führt stellenweise so weit, dass man den Familiennamen einiger Personen gar nicht mehr kannte, weil der Spitzname auf die Kinder übertragen wurde.

Am Anfang des Jahres 1908 mussten sich die Schützendeputierten mit einem Schreiben des Magistrats der Stadt befassen, indem die Beseitigung des Schießstandes gefordert wurde. Der Schießstand, es wurde aus dem Anbau am Schützenhaus heraus geschossen, stellte für die neue Bahnlinie zum Mühlberger Hafen eine große Gefährdung dar. Man kam überein, dass der Schießstand verlegt werden müsse. Man konnte sich allerdings nicht über die Finanzierung des Projektes einigen. Die Gleise der Hafenbahn würden aus heutiger Sicht gleich hinter dem Penny-Markt liegen. Nach langem Hin und Her wurde der neue Schießstand dann hinter den Gleisen gebaut. Heute (2009) gibt es nur noch das Standhäuschen zu sehen sowie ein Stück der Betonseitenwand. Der Schießstand wurde teilweise mit Abraum aufgefüllt für den Stadionwall, welcher nie fertiggestellt wurde.

Der neue Schießstand hatte vier 50 Meter- und vier 100 Meterbahnen. Bei 50 und bei 100 Meter standen Betonüberbauten aus denen die Schießscheibe abgelassen werden konnten, welche zur Auswertung hochgezogen wurden. Der Schießstand war mit einem niedrigen mit Sträuchern bewachsenem Wall umgeben. Während des Schießens wurde der Schießstand mit Warnflacken gesichert. Der Schießstand war für Großkaliber zugelassen, denn mit Kleinkalibergewehren wurde erst später geschossen.

Die Geschichte der Mühlberger Gilde 6

Aus dem Jahre 1910 berichtet das Protokollbuch folgendes: Nach Beendigung des letzten Exerzierabends fand im Hotel “Zum weißen Schwan” eine Sitzung des Bataillons statt. Hier wurden Herr Oberleutnant Stein zum Hauptmann der Grenadierkompanie, sowie Jäger Eichhorn zum Fähnrich der Jägerkompanie und der Unteroffizier Göthel zum Fähnrich der Schützenkompanie gewählt. Die Exerzierabende wurden jeweils am Mittwoch, Samstag und Mittwoch vor dem Schützenfest durchgeführt. Hier sollte das einheitliche Auftreten und Marschieren der Kompanien für den Schützenauszug geübt werden.

Schützenkönig wurde am 20. Mai 1910 das Mitglied der Schützenkompanie Herr Maurermeister Karl Rohrbach aus Pankow. Er erzielte den Königsschuss mit einer 20. Am 9. September wird die Gründung der Carl Naumann Stiftung beschlossen, da dieser die 300 Mark angeliefert hat, diese werden im Vorschussverein zinsbar angelegt. Herr Carl Naumann wird zum Ehrenmitglied ernannt. Die jährlichen Zinsen der Stiftung sollen zur Beschaffung von zwei silbernen Löffel verwendet werden, diese dienen als Schießprämien. Einen Löffel soll der nächstbeste Schütze hinter dem König erhalten. Der andere Löffel wird am Sonntag ausgeschossen, der dem Geburtstag des Stifters, 28 Juli, am nächsten liegt. Es werden noch besondere Regel für die Teilnahme des Preisträgers für die folgenden Jahre festgelegt.

Im Oktober des Jahres 1911 erhält die Gilde ein Schreiben von der Königlichen Arsenalsammlung in Dresden, worin dieselbe ersucht wird, die im Jahre 1755 der Gilde verliehene rot-seidene Fahne gegen Erteilung einer neuen Fahne zur Verfügung zu stellen. Es wird beschlossen der Arsenalsammlung mitzuteilen, dass die Gilde vorläufig nicht gesonnen ist die Fahne abzugeben. Jedoch soll Sr. Majestät Kaiser Wilhelm II. von diesem Schreiben Mitteilung gemacht und um die Verleihung einer neuen Fahne gebeten werden. Die alte Fahne soll der Gilde unter leihweiser Überlassung an den Verein für Heimatkunde erhalten bleiben. Es kam kein zustimmender Bescheid aus Berlin. Die Dresdener ließen nicht locker.

Außerordentliche Generalversammlung am 5. Januar 1913, hier wird beschlossen den von der Dresdener Arsenalversammlung vorgeschlagenen Fahnentausch doch zuzustimmen. Durch diesem Beschluss sollte es viel Aufregung in der Gilde geben. Der Braumeister der Mühlberger Genossenschaftsbrauerei Fritz Lorentz erließ nachfogenden Aufruf.

“Die Mühlberger Schützengilde will ihre älteste Fahne der Arsenalsammlung in Dresden zur dauernden Aufbewahrung an ehrenvoller Stätte überlassen und wird für die alte eine neue Fahne erhalten. Im Laufe des Sommers wird eine größere Feier stattfinden, bei der die alte Fahne übergeben und die neue Fahne in Empfang genommen und geweiht werden soll. Dieser bevorstehende feierliche Fahnentausch erscheint dem Unterzeichner besonders geeignet, mit einem schon längere Zeit gehegten Plan hervorzutreten. Es besteht die Absicht, für die hiesige Schützengilde etwas Neues zu schaffen, ihrem alten knorrigen Stamm ein junges Reis aufzusetzen. Es soll eine Joppenkompanie gegründet und der bestehenden Gilde angegliedert werden, wie dies in kleineren Orten schon vielfach, in größeren Städten aber fast ausnahmslos geschehen ist. Die Mitglieder derselben werden gleichmäßig dunkle Hosen, graugrüne Joppe und ebensolchen Hut mit Feder tragen, werden unbewaffnet sein, aber sich am Schießen nach Art der übrigen Schützen beteiligen.”

Die Kompanie wurde kurz nach dem Aufruf gegründet und beteiligte sich am Auszug zum Schützenfest anlässlich der Fahnenweihe mit 13 Mann. Als Führer der Joppenkompanie wurde Kamerad Bruno Apelt gewählt. Die Joppenschützenkompanien waren in den Schützengilden mit einem besonderen Status versehen, deshalb wurde die Joppenkompanie in Mühlberg auch als Kompanie mit den “extra Würsten” bezeichnet. Mit den Joppenschützen hatte man eine Möglichkeit gefunden mehr Mitglieder in den Schützenverein zu bekommen. Einige Extras waren, die Joppenschützen hatten keine eigenen Waffen, nur kompanieeigene zur Beteiligung an den Schießwettkämpfen, sie hatten keine aufwendige Uniform, sondern nur Joppe, schwarze Hose und Hut. Sie standen nicht “unter Waffen”, wie die anderen Schützen.

Der Fahnentausch verbunden mit der Weihe der von der Königlich Sächsischen Arsenalsammlung in Dresden gestifteten Fahne und das diesjährige Schützenfest werden vom 23. bis 26. August 1913 durchgeführt. Die älteste Fahne der Schützengilde, die 1755 verliehene Fahne, des ehemaligen Regiments “von Jasmund”, wird der Königlich Sächsischen Arsenalsammlung übergeben. Dafür stiftet der König von Sachsen eine neue Fahne, die zum diesjährigen Schützenfest übergeben und geweiht wird. Der Wunsch der Gilde, dass die neue Fahne eine genaue Abbildung der alten sein sollte konnte, da die alte Fahne das sächsische Wappen trug und Mühlberg inzwischen preußisch geworden war nicht erfüllt werden. Das Fahnentuch zeigt daher den Mühlberger Löwen. Die vom König verliehene Schleife trägt auf der einen Seite auf den einem Bande das sächsische Wappen mit der Zahl 1755, auf der anderen Seite die Zahl 1913.

Am 24. August 1913 wurde die Fahne der Schützengilde feierlich überreicht und geweiht. Zu diesem Ereignis waren sämtliche Vereine der Stadt Mühlberg und eine Anzahl von Schützengilden eingeladen. Es wurde der größte Schützenauszug den Mühlberg bis dahin erlebt hatte. Der Stellplatz war der Altstädter Markt. Als Gäste waren die Schützengilden aus: Strehla, Falkenberg, Großenhain, Schildau, Elsterwerda, Ortrand, Liebenwerda, Pankow und Belgern zum Fest erschienen. (Bild vom Ereignis in der Kategorie Historische Bilder zu sehen)

Die Geschichte der Mühlberger Gilde 7

Aus dem Jahr 1915 wird berichtet, dass von den 20 Mitgliedern der Joppenschützen 17 nacheinander dem Rufe des Vaterlandes folgen mussten und in den unglücklichen Weltkrieg zogen. Die in der Heimat verbliebenen Kameraden hatten das militärische Alter bereits überschritten. Das Königsschießen wurde in diesem Jahr mit dem Erntedankfest verbunden und in einfachster Form gefeiert. Denn das von der Kgl. Regierung gezahlte Benefiz wird bestimmungsgemäß nur dann gewährt, wenn das Königsschießen abgehalten worden ist. Die Anfertigung der Königsscheibe wurde dem Jäger Arndt zum Preis von 9 Mark übertragen.

“Am 3. Oktober hat beim diesjährigen Königsschießen der Grenadier Herr Eduard Müller mit einer 20 den Königsschuss erzielt. Herr Eduard Müller wurde im Schützenhaussaal zum König proklamiert und darauf von der Gilde nach seiner Wohnung geleitet.”

Mit einer 19 erzielte der Joppenschütze Lindhorst den nächstbesten Schuss, ihm wurde der Löffel der Carl Naumann Stiftung übergeben. Im Jahr 1916 wird beschlossen, das diesjährige Königsschießen zusammen mit dem Erntedankfest, in ganz einfacher Weise, am 1. Oktober zu feiern.

“Mühlberg, den 1. Oktober 1916. Bei dem diesjährigen Königsschießen, welches der Kriegszeit wegen, erst am heutigen Tage stattfand, erzielte den Königsschuss mit einer 20 der Oberjäger Karl Bormann. Derselbe wurde im Schützenhaussaal zum König proklamiert und von der Schützengilde mit einer Parade zu seiner Wohnung gebracht. Derselbe erzielte die Königswürde während seiner Dienstzeit zum 3ten Male und zwar zum ersten 1896, zum zweiten 1907 und 1916 zum dritten Male. Solche Treffsicherheit von einem Mitglied ist seit vielen Jahren nicht zu verzeichnen.”

Das Ehrenmitglied der Gilde, Herr Lehrer Naumann, erhöhte seine Stiftung um 100 Mark. Bestimmungsgemäß wird das Geld zum Ankauf von zwei silbernen Löffeln verwendet, die ausgeschossen werden. Der Restbetrag soll für das Prämienschießen verwendet werden. In diesem Jahr wurde eine Ehrenscheibe genagelt. Der Reingewinn (400 Mark) wurde der Stadt zum Ankauf von Weihnachtsgeschenken für Krieger zur Verfügung gestellt.

22. April 1917.

“Zur Beerdigung des Herrn Leutnant Apitz wird wegen der Kriegszeit im geschlossenen Anzug gegangen. Die Fahne der Grenadiere wird mitgeführt.
Das diesjährige Schützenfest wird wie in den vergangenen Kriegsjahren wieder mit dem Erntedankfest abgehalten werden. Für die Feier des Erntedankfestes und des Königsschießens wurde ein Programm gedruckt, auf dessen Rückseite die allgemeinen Lieder zum Mitsingen sind. todesa3

Auf dem diesjährigen Königsschießen, welches wegen der Kriegszeit erst am heutigen Tage, dem 30. September 1917 abgehalten wurde, erzielte den Königsschuss mit einer 19, der Adjutant der Gilde Herr Hermann Köhler, derselbe wurde im Schützenhaus zum König proklamiert und von der Gilde nach seiner Wohnung gebracht. Der bisherige König Oberjäger Bormann lieferte seinen Orden und eine Photografie ab.”

Todesanzeige des Schützenkönigs von 1913 Joppenschützenkompanie.

Kompaniestärken: Zur Zeit aktive Mitglieder Grenadiere 11 Mann; Schützen 7 Mann; Jäger 12 Mann; Joss1919kleinppen 3 Mann. So hatte sich die Kriegszeit auf den Bestand der z.Z. in Mühlberg anwesenden beitragspflichtigen Mitglieder ausgewirkt. Am 6. September 1919 wird beschlossen zum Erntedankfest am 5. Oktober das Königsschießen abzuhalten und während dieser Zeit im Saal musikalische und gesangliche Darbietungen abzuhalten, siehe Programm. Die Grenadier- und Joppenschützenkompanie haben beschlossen am Kirchgang und zum Auszug in Uniform teilzunehmen, den anderen Kompanien soll es überlassen bleiben. Es wird festgelegt die Wahl der “Minister” vorzugsweise dem jeweiligen Schützenkönig zu überlassen.

“Am 5. Oktober hat der Joppenschütze Fritz Zeißig jun., Dachdeckermeister, mit einer 18 den Königsschuss erzielt. Herr Fritz Zeißig wurde im Schützenhaussaal zum König proklamiert und von der Gilde zu seiner Wohnung gebracht.” Er erhielt später den Beinamen “Karl der Hochstrebende”.

Als nächstbester Schütze erhielt den silbernen Löffel der Carl Naumann Stiftung der Grenadier Robert Kettler.

Die Geschichte der Mühlberger Gilde 8

Frischer Wind im Jahre 1920.

Nach Auffassung aller aus dem Felde zurückgekehrten Kameraden sollte es nicht geschehen, dass die alte ehrwürdige Schützengilde, der zum Teil unsere Väter und Großväter angehörten, etwa doch noch Schiffbruch erleiden sollte. Und so kam es, dass vom Jahre 1920 an eine besondere Werbetätigkeit innerhalb der Joppenschützenkompanie einsetzte. Dies hatte zur Folge, dass auch die drei anderen Kompanien aus ihrem Winterschlafe aufgerüttelt wurden und sich ebenfalls scharf ins Zeug legten. Die Jägerkompanie hatte die meisten Erfolge zu verzeichnen durch die geschickte Werbetätigkeit ihres rührigen Jägerrates Kamerad Paul Busse. Am 12. März 1920 haben sich als aktive Mitglieder zur Gilde gemeldet: Herr Ziegelmeister Reinhold Breitenstein; Herr Kaufmann Otto Friese, Herr Steinsetzmeister Karl Pohle. Auf der Sitzung vom19. März wird über die Abgabe der Gewehre entschieden. Die Mitglieder welche im Besitzt von Gewehren sind sollen Mitglied in der Einwohnerwehr werden. Anderenfalls sollen die Gewehre abgegeben werden, wenn die bestehende Kommision berechtigt ist die Gewehre einzufordern. Ein Beschluss konnte nicht gefasst werden, da jeder Eigentümer seines in seinem Besitz befindlichen Gewehres ist. Die Versammlung beschließt die Beiträge ab der nächsten Fälligkeit auf das Doppelte zu erhöhen.

Majestät Zeißig erklärt, dass er jetzt bereit ist eine kleine Königsfestlichkeit zu veranstalten, wenn die der Gilde angehörenden Landwirte und sonstigen Mitglieder ihre Hilfe nicht versagen.

Auszug aus dem Heimatkalender von 1925:

“Der Schützenauszug zum Königsschießen. Ein echt militärisches Bild entrollt sich vor unseren Augen, wenn der stärkste und älteste Verein unserer Stadt am Freitag nach Pfingsten im vollen Wichs nach dem Festplatz zieht. Alt und jung eilt ans Fenster, um den stattlichen Zug zu bewundern. Vier Kompanien folgen mit vier Fahnen dem langjährigen Kommandeur der Gilde Herrn G. Fr. Hentschel zum Festplatze. Hier entwickelt sich bald ein reges Leben. Ein Kamerad nach dem anderen tritt an den Schießstand heran, um den besten Schuss abzugeben.”

“Am 6. Juni 1925 hat der Schütze Albin Kretzschmar, genannt “Albin der Emsige” den Königsschuss mit einer 20 erzielt. Herr Kretzschmar ist im Schützenhaussaal zum König proklamiert und von der löblichen Schützengilde am 7. Juni mit allen Ehren und einer Parade, sowie in größter Ordnung nach seiner Wohnung gebracht worden.”

Im Vorfeld des Heimatfestes gab es eine Anfrage des Heimatfestausschusses an die Gilde wegen der Ausstellung des Silberschatzes  der Gilde. Die Gilde stellte die Bedingung, dass der Schatz nur ausgeliehen würde, wenn ein sicherer Raum gestellt werde. (Der Silberschatz der Gilde besteht aus den Königsorden) Zum Auszug des Heimatfestes werden von der Gilde offiziell gestellt. 4 Armbrustschützen von der Schützenkompanie und 9 Grenadiere in den alten Uniformen von der Grenadierkompanie. Die Herren Hauptleute der einzelnen Kompanien wurden gebeten möglichst dafür zu sorgen, dass ihre Kompanien zum Heimatfest mit starken Beteiligungen vertreten sind. Laut Heimatkalender wurde das Fest ein großer Erfolg.

Im Protokollbuch wird am 23. April 1926 berichtet, dass die Schießtage neu festgesetzt werden. In diesem Jahr wird das Vorteilsschießen am 2., 9. und 16.Mai abgehalten. Herr Lindhorst warf die Frage auf, ob nicht künftig mit Scheibenbüchsen auf die Scheiben geschossen werden könnte. Die Entscheidung darüber wird den einzelnen Kompanien überlassen. Das diesjährige Schützenfest wird am Donnerstag, den 27. Mai durch den Zapfenstreich eingeleitet. Den Dienst hat die Schützenkompanie. Das Fest beginnt am Freitag den 28. Mai und wird in althergebrachter Weise gefeiert. Weiteres wird durch den Baitaillonsbefehl bekanntgegeben. Die Exerzierabende werden in diesem Jahr am Mittwoch, den 12. Mai, am Samstag, den 15. Mai und am Mittwoch, den 19. Mai abends 8 Uhr abgehalten. In diesem Jahr wird zum Königsschießen vom Schießstand ein Feldtelefon gelegt. Woraus zu schließen ist, dass das Ergebnis der Schützen sofort auf die Königsscheibe übertragen werden kann.

“Am Samstag, den 29. Mai 1926 wurde der neue Schützenkönig, Herr Tierarzt Dr. Meßler, um 6 Uhr abends im Schützenhaussaal zum neuen König proklamiert. Er wurde in althergebrachter Weise nach seiner Wohnung gebracht. Im Anschluß hieran gab Herr Dr. Meßler den Offizieren des Baitaillons ein Abendbrot.”

Auf Anregung des Jägerhauptmanns, Herr August Diecke, faßte das gesamte Offizierschor des Baitaillons den einstimmigen Beschluß, den Chef der Gilde, Herrn Oberstleutnant Gottfried Fridrich Hetschel zum Oberst der Schützengilde zu befördern. Die Beförderung zu diesem Titel und Rang wurde dem diesjährigen Schützenkönig Dr. Meßler übertragen.
Ernennung zum Oberst  Nach der Paradeaufstellung und der Abnahme derselben durch den Magistrat, am Sonntag den 30. Mai d.J., versammelten sich die Mitglieder der Schützengilde zum Frühschoppen mit Konzert im Rathaussaal. In kurzen Worten begrüßte Herr Oberstleutnant Hentschel als Chef der Gilde die Teilnehmer. Darauf ergriff Bürgermeister Kniche das Wort und brachte ein Hoch auf das Vaterland aus, welches mit dem Deutschlandlied endigte. Im Anschluß daran wurde der Entschluß des gesamten Offizierschors der Gilde, von seiner Majestät Herrn Tierarzt Dr. Meßler ausgeführt. Nach einer kurzen Ansprache beförderte Majestät Herr Dr. Meßler den Chef der Gilde Herrn Oberstleutnant Gottfried Friedrich Hentschel mit dem heutigen Tage zum Oberst und überreichte ihm die Abzeichen eines Oberst. Herr Oberst Hentschel dankte den Offizierschor für die Beförderung und versprach, auch weiterhin die Gilde mit aller Kraft und Energie zu führen, damit auch fernerhin die Schützengilde dem alten Ruf und das Ansehen in der hiesigen Bürgerschaft erfüllt.

Die Geschichte der Mühlberger Gilde 9

Die Schießsonntage für das Vorteilsschießen 1927 werden auf den 8., 15. und 29. Mai festgelegt. Zur Gewehrfrage wird entschieden, dass zum Vorteilsschießen einheitliche Gewehre Verwendung finden, während beim Königsschießen auch aus eigenen Gewehren geschossen werden kann. Der Joppenschütze Otto Müller legt sein Amt als Schriftführer nieder und an seine Stelle tritt Kamerad Naumann. Das diesjährige Schützenfest wird in althergebrachter Weise gefeiert. Für das Königsschießen ist eine Waffenkommision nötig. Herr Adjutant Leutnant Zieske weißt auf die Feuergefährlichkeit der Feuerwerke beim Schützenfest hin. Herr Oberst Hentschel bittet die anwesenden Herren in ihrer Bekanntschaft dahin zu wirken, das gefährliche Feuerwerke keine Verwendung finden sollen. Die Patronen für das Königsschießen sind beim Herrn Adjutant Zieske zu haben.

“Zum Ehren und Andenken wird hiermit bemerkt, dass zum diesjährigen Pfingstauszug der Jäger Herr Martin Wehnert genannt “Martin der Starke” den Königsschuß mit einer 19 erzielte. Herr Wehnert ist im Schützenhaussaal zum König proklamiert und von der löblichen Schützengilde am 12. Juni mit allen Ehren, sowie in größter Ordnung nach seiner Wohnung gebracht worden.”

Das Erntedankfest soll auch in diesem Jahr in althergebrachter Weise gefeiert werden. Der Bataillonsball wird in diesem Jahr auch gefeiert.

1928 Das diesjährige Schützenfest wird in althergebrachter Weise gefeiert. In diesem Jahr wurde kein Königsschießen, wegen mangelnder Beteiligung durchgeführt.
1929 Aus diesem und anderen folgenden Jahren gibt es fast keine Überlieferungen über die Arbeit und das Wirken der Schützengilde. Schützenkönig wurde Kamerad Jungnickel.
1930 Schützenkönig wurde der Joppenschütze Kamerad Franz Sievers
1931 Schützenkönig wurde der Joppenschütze Kamerad Gottfried Opitz
1932 Schützenkönig wurde der Joppenschütze Kamerad Müller-Deck
1933 Schützenkönig wurde der Joppenschütze Kamerad Heinrich Zersen. Er erhielt den Beinamen “Heinrich der Sanftmütige von der Wasserburg”.

Es wurde von den Joppenschützen erreicht, dass durch das einige Jahre ausgeübte Prämienschießen die dazu vom Bataillon gestifteten vier Preise restlos Kameraden der Joppenkopmpanie zufielen, so dass mit Recht der Ausspruch entstand “Alles unsre!” Um nun zu vermeiden, dass für die Joppenschützen eine “Extrawurst” gegeben wird, ließ man das Prämienschießen innerhalb des Bataillons fallen und überließ es den Kompanien, von sich aus Prämienschießen zu veranstalten.
Mit den “Extrawürsten” bei den Joppenschützen hat es schon seit Gründung seine Bewandtnis und es gäbe darüber heitere und auch ernste Episoden zu berichteten. Schon  die ganze Aufmachung “Antreten ohne Obergewehr” erregte bei vielen Kameraden der anderen Kompanien Missstimmung. Doch mussten sie sich davon überzeugen lassen, das sie die Joppen unter dieser Bedingung bei ihrer Gründung in die Gilde aufgenommen hatten.”Jetzt haben die Joppen sogar einen König, welcher tatsächlich in einem königlichen Schlosse wohnt, genannt “Heinrich der Sanftmütige von der Wasserburg”, welchem sogar der “Kaiser” unterstellt ist. Ein Ereignis, welches in der Chronik unserer alten Schützengilde und wohl auch in keiner anderen Schützengilde weit und breit vorzufinden ist:”
Anmerkungen dazu: Die Mühlberger Sitte oder auch Unsitte Beinamen oder auch Spitznamen zu verteilen führte zu diesem Unterstellungsverhältnis. Der König war Strommeister, der “Kaiser”  sein Untergebener ein Herr Schwartze, dessen Sohn heute (im Jahr 2009) noch immer den Beinamen “kleiner Kaiser” trägt.
“Scharfes Auge, sichre Hand!” ist der Wahlspruch auf unserer Fahne und solange dieselbe der Kompanie vorschwebt, solange herrscht innerhalb der Kompanie äußerste Schießdiziplin und der Drang nach “Extrawürsten”. Auch den Spielmannszug stellt heute die Joppenschützenkompanie. Traditionsgemäß muss die Kompanie auch ihre Offiziere stellen, welche der Gilde gegenüber gleichzeitig als Vertreter zu gelten haben. Schon bei der Gründung wurde der Kamerad Bruno Apelt als Führer gewählt. Man vertauschte also schon damals die Bezeichnung Hauptmann bzw. Leutnant mit Führer und somit wurde das “Führersystem” schon bei der Joppengründung eingeführt. Auch diese Bezeichnung wurde als Extrabratwurst angerechnet. Der Mitgliederbestand ist seit dem Jahr 1922 fast immer gleichmäßig geblieben z.Z beträgt er 48 Kameraden.

1934 Schützenkönig wurde der Joppenschütze Kamerad Karl Garten Ratskellerwirt

Man erzählt über das Eintreffen des neuen Schützenkönigs zu Hause folgendes. Als der neue König von der Gilde zum Ratskeller gebracht wurde, rief seine Frau: ” du bist doch nicht etwa Schützenkönig geworden?” Als seine Begleiter die Königsscheibe in die Gaststätte brachten soll sie Frau Garten gleich rausgeschmissen haben. Es gab aber dann doch ein friedliches Ende, so wird berichtet.

1935 Schützenkönig mit einer 20 wurde der Joppenschütze Kamerad Max Polte
1936 Schützenkönig wurde zum zweiten Mal der Joppenschütze Kamerad Heinrich Zersen

Von ihm wird folgendes berichtet. Herr Zersen soll in seiner Übermut und einem leichten Rausch auf dem Schützenfestplatz folgendes verzapft haben. Auf dem Festplatz stand unter anderem eine Schießbude mit Schwarzwälder Uhren als Schießpreise. Herr Zersen und ein anderer Kamerad haben beim Preisschießen die Scheiben mit den Perpentikeln der Uhren “verwechselt” und diese abgeschossen. Man einigte sich aber schnell über die Bezahlung des Schadens. Die beiden Schützen sollen sich jedenfalls mächtig amüsiert haben. So die Erzählung eines Mühlberger Bürgers im Jahre 1999, der dieses Jugenderlebnis nicht vergessen konnte.

1937 Schützenkönig wurde der Joppenschütze Kamerad August Diecke jun.

Die Geschichte der Mühlberger Gilde 10

Abschrift eines 1938 erschienen Artikels, leider ist nicht festzustellen aus welcher Zeitung dieser entnommen wurde, es steht nur eine Ablichtung zur Verfügung.

“Guter Verlauf des Mühlberger Schützenfestes 1938. Auch wenn die Schützen durch die Stadt marschieren, öffnen sich die Fenster, öffnen sich die Türen. Das zeigte sich wieder am Sonnabend, als die Joppenschützen-Kompanie zur Einleitung des diesjährigen Schützenfestes den Zapfenstreich ausführte, nachdem sie sich vor dem Marsch durch die Straßen durch den Verzehr delikaten Speckkuchens gestärkt hatte, wie es Brauch war. Da diesmal das Schützenfest gleichzeitig die silberne Jubiläumsfeier dieser Kompanie war, hatte sich auch eine Anzahl früherer Mitglieder nochmals eingereiht und gab dadurch die Verbundenheit mit den alten Kameraden zu erkennen. Zum anschließende Kameradschaftsabend fanden sich im Schützenhaus Mitglieder aller Kompanien mit ihren Frauen nebst Gästen ein. Musikstücke der Kapelle und ein von Frau Kramer vorgetragenes Gedicht, das ein starkes Bekenntnis zu unserem deutschen Vaterland ausdrückt, eröffneten die Feier. Gildeführer Zieske begrüßte die ganze Festversammlung, insbesondere Bürgermeister Friese nebst Frau und den als Vertreter des Ortsgruppenleiters W. Friese erschienenen PG. Klandt. Mit anerkennenden Worten beglückwünschte er die Jubilare, so das Ehrenmitglied Oberfeldwebel der Jägerkompanie Malermeister C. Bormann sen., der 50 Jahre lang im aktiven Dienst steht, mehrfach Schützenkönig war und das älteste Mitglied ist. Neben diesem bekamen die Joppenschützen F. Zeißig und G. Rohrbach zu ihren 25. Auszug die Erinnerungsmedaille ausgehändigt, den 20. Auszug beging der Grenadier-Feldwebel Winkler. Auch die gesamte Joppenschützen-Kompanie war ein Jubilar, denn sie wurde vor 25 Jahren gegründet. Dies nahm der Gildeführer zum Anlass, die darüber niedergeschriebene Gründungsaufnahme zu verlesen. Er wünschte dann der gesamten Kompanie alles Gute, vor allem Einigkeit, welche die Grundlage für ferneres Bestehen und Aufblühen bildet. Aber auch Mahnworte sprach er aus, sie lauteten:”Jhr Mitglieder der Jubelkompanie, haltet einander die Treue, gebt Euch nicht selbst auf! Und den früheren Schützenmitgliedern lege ich warm ans Herz: Warum verlasst ihr Eure alte, ja die älteste Schützengilde im Kreis Liebenwerda, tretet wieder ein, stärkt unsere Reihen! Wenn jeder an seinem Teile in echt Mühlberger Heimatsinn und Heimatgefühl mitwirkt, wird es unsere im Jahr 1354 gegründete Schützengilde zum Segen gereichen. Vor allem bitte ich die lieben Frauen, auf ihre Männer in diesem Sinne einzuwirken!”

Es wurde dann bekanntgegeben, dass der Schützenleutnant E. Steinbach unter Beförderung zum Oberleutnant zum Führer der Schützenkompanie ernannt ist, auch der Jägerleutnant und Führer der Jägerkompanie August Diecke jun., gegenwärtig Schützenkönig, wurde zum Oberleutnant befördert, ferner ist zum Kompanieführer der Grenadiere der Grenadierleutnant Paul Metzger ernannt worden. Der Huldigungsgruss an den Führer und Reichskanzler mit Gesang der Nationallieder beschloss diesen Teil des Festabends.

Für die Einladung zum Schützenfeste dankten schriftlich Kreisleiter Heidkamp und Ortsgruppenleiter W. Friese, sie waren am Erscheinen verhindert. Grüße übermittelten die von hier verzogenen Kameraden Voigt, Böttger, Dr. Hepburn. ed. Martin, Voerkel und U. Dembeck. Seitens der Joppenschützen-Kompanie wurden zum 25jährigen Bestehen die noch aktiven 3 Mitbegründer H. Lindhorst, M. Friese und F. Schindler sowie die im ersten Jahr beigetretenen Kameraden F. Zeißig, G. Rohrbach und Eichhorn mit Ehrensträußen geschmückt. Die Jägerkompanie überreichte ihren goldenen Jubilar Ehrenmitglied Bormann schmackhafte und stärkende Gaben. Dieser verband mit seinem Dank hierfür einen Rückblick auf die 50 Jahre Schützenzeit dabei hervorhebend, dass die Tage des Schützenfestes immer mit großer Freude erwartet wurden. Er hoffe, dass dieses alte Volksfest erhalten bleibt.

Bürgermeister Friese sprach diese Hoffnung aus und warnte davor sich selbst aufzugeben. Die Gilden, stets Pflegestätte der Kameradschaft, werden durch eifrige Pflege des Wehrsports neues Leben gewinnen und wieder Bedeutung erlangen. Über die Geschichte der Joppenschützen-Kompanie hielt ein Chronist derselben Kamerad M. Friese einen Vortrag, welcher von Treue und erfolgreichem Streben der Joppenschützen – sie errangen bisher 12 mal die Königswürde – Zeugnis ablegte, auch manch frohes Ereignis in die Erinnerung zurückrief.

Zum geselligen Teil des Abends übergehend, trug ein Doppel-Quartett der Joppenschützen mehrere Lieder vor, Turnerinnen führten einen beschwingten Walzerreigen auf, ein Festlied wurde von allen Anwesenden gesungen, Neckverse erheiterten und schließlich brachte der Schunkelwalzer die Fröhlichkeit auf die Höhe. Diese beherrschte auch die folgenden Stunden, die dem Tanz gewidmet waren.

Sonntags marschierte die Joppenschützen-Kompanie vor der Krieger-Gedächtnisstätte auf und legte dort als Zeichen ehrenden Gedenkens an die 6 im Weltkrieg gefallenen Kameraden und die im Laufe der Jahre verstorbenen Kameraden einen Kranz nieder. Am Nachmittag erfolgte vom Rathaus aus der Auszug der Schützen durch die mit Fahnen geschmückten Straßen nach dem Schützenhause. Im Zuge wurde die Fahne des Reichsbundes für Leibesübungen, dem die Schützen angeschlossen sind, mitgeführt. Alsdann begann das Schießen auf die Königsscheibe. Schon kurz nach Beginn klärte sich die Frage, wer diesmal die Königswürde erlangen würde. Auch schossen die Joppenschützen aus Anlass ihrer Jubelfeier auf eine Ehrenscheibe.

Die Geschichte der Mühlberger Gilde 11

Um 7.00 Uhr trat die Gilde im Schützenhaussaal zur Ausrufung des neuen Schützenkönigs zusammen. Diese Würde hat sich der Joppenschütze Fritz Lehmann durch einen Schuss ins Scheibenzentrum errungen, auch dem Joppenschützen Karl Pohle gelang ein solcher, doch nur am äußeren Rande. Der neue Schützenkönig erhielt in Würdigung seiner im Weltkrieg bewiesene besonderen Tapferkeit den Beinamen “Fritz der Heldenmütige”. Der scheidende Schützenkönig und der Gildeführer nahmen die Gelegenheit, zu Treue und Eifer zur Sache zu ermahnen, dann wird auch die Gilde wieder erstarken.

Die besten Schießergebnisse beim Königsschießen (Scheibe mit 20 Ringen) durch drei Schüsse sind sämtlich von Joppenschützen erzielt worden und zwar 58 Ringe (19,19,20) vom Schützenkönig Lehmann, 46 Ringe von H. Müller, je 41 Ringe von R. Lubenow, F.Schindler und M. Friese.

Seine bewundernswerte Treffsicherheit bewies Schützenkönig Lehmann auch beim Schießen auf die Ehrenscheibe (12 Ringe). Er war auch hier bester mit 31 Ringen (12,9,10). Er entstammt einer alteingesessenen Mühlberger Schützenfamilie, auch seine Vorfahren haben die Königswürde erstritten, so Georg August Lehmann im Jahre 1769, Johann Friedrich Lehmann im Jahre 1820. Nächstbeste Schützen waren F. Schindler mit 28 und M. Friese mit 27 Ringen.

Der Einzug führte durch die Hauptstraßen der Stadt und der neue Schützenkönig wurde nach seiner Wohnung geleitete. Damit fand das Schützenfest seinen Abschluss. Es hat bewiesen, dass auch hier der alte Schützengeist noch frisch und lebendig ist.”

Anmerkung des Chronisten:

Es ist mir nicht gelungen über das Jahr 1938 hinaus Aufzeichnungen über die Gilde zu finden. Die noch lebenden älteren Bürger (1999) der Stadt konnten auch keine Angaben mehr über die Mühlberger Schützengilde machen. Man sagt den Mühlberger Schützen hat es nicht gefallen dem Reichsbund für Leibesübungen untergeordnet zu werden.

Einige bekannte Beinamen der Mühlberger Schützenkönige:

1900 Wilhelm Bunge “Wilhelm der Strenge und Gerechte”
1901 August Schulze “August der Vernünftige”
1902 Hermann Besser “Hermann der Ruhige”
1903 Friedrich Eichhorn “Friedrich der Große”
1904 Max Kögler “Max der Streitbare”
1905 Franz Dietrich jun. “Franz der Pünktliche”
1906 Bruno Zeidler “Bruno der Gemütliche”
1907 Carl Bormann “Carl der Wichtige”
1908 Oswald Jentzsch “Oswald der Kleine”
1911 Bruno Renner “Bruno der Entschlossene”
1912 Luis Falk “Luis der Schweiger”
1913 Otto Friese “Otto der Strebsame”
1915 Eduard Müller “Eduard der Eifrige”
1916 Karl Bormann “Karl der Lustige”
1917 Hermann Köhler “Hermann der Unermüdliche”
1918 Paul Jentzsch “Paul der Gewissenhafte”
1919 Fritz Zeißig “Fritz der Hochstrebende”
1920 Gottfried Hentschel jun. “Gottfried der Unantastbare”
1921 Wilhelm Gläser “Wilhelm der Geduldige”
1922 Friedrich Naumann “Friedrich der Anhaltiner”
1923 Karl Bieselt “Karl der Brave”
1924 Friedrich Valentin “Friedrich der Starke”
1925 Albin Kretzschmar “Albin der Emsige”
1926 Dr. Hans Meßler “Hans der Deutsche”
1927 Martin Wehnert “Martin der Starke”
1928 Kurt Künzel “Kurt der Eiserne”
1929 Max Jungnickel “Max der Liederreiche”
1933 Heinrich Zersen “Heinrich der Sanftmütige von der Wasserburg”
1938 Fritz Lehmann “Fritz der Heldenmütige”

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